Arvo Pärt

Der estnische Komponist Arvo Pärt, 1935 geboren, gilt als einer der bedeutendsten Komponisten unserer Zeit. Nach seinem Studium in der Kompositionsklasse von Heino Eller in Tallinn arbeitete er zunächst als Tonmeister beim estnischen Rundfunk und schrieb erste Werke im Umfeld der sowjetischen Avantgarde. Beginnend mit neoklassizistischer Klaviermusik experimentierte er in einem Zeitraum von zehn Jahren mit Techniken der Zwölftonmusik und des Serialismus und nahm Einflüsse von Schostakowitsch, Prokofjew und Bartók auf. Mit seinem religiös motivierten Collagewerk »Credo« machte er sich 1968 im offiziellen sowjetischen Musikbetrieb unbeliebt. Die Komposition führte ihn in eine achtjährige schöpferische Krise, an deren Ende sich mit dem Klavierstück »Für Alina« 1976 ein klingendes Schweigen erhob. In diesem Werk fand er zu sich selbst und wandte erstmals ein Prinzip an, das sein Oeuvre bis heute begleitet: Aus seiner Beschäftigung mit der Gregorianik und Renaissance entwickelte er den Tintinnabuli-Stil (lat. »tint nnabulum« = Glöckchen). Die damit vollzogene Beschränkung auf das Notwendigste bewirkt ein archaisch anmutendes, gleichwohl strukturiertes »Klingeln« des Dreiklangs, das jenseits funktionsharmonischer Paradigma liegt. In kurzer Zeit entstanden solch maßgebliche Werke wie »Fratres«, »Cantus in Memory of Benjamin Britten« oder »Arbos« – alle im Jahr 1977. Indes wuchs der politische Druck auf ihn. 1980 verließ er die Sowjetunion und lebte lange Zeit in Berlin. 1984 gelang ihm mit »Tabula rasa« der Durchbruch. Arvo Pärt ist Träger zahlreicher hochdekorierter Ehrungen und Auszeichnungen.