9. Symphoniekonzert

Semyon Bychkov Dirigent
London Voices Gesang

Luciano Berio

  • »Sinfonia« für 8 Singstimmen und Orchester

Pjotr I. Tschaikowsky

  • Symphonie Nr. 5 e-Moll op. 64

 

 

Rückkehr mit symphonischen Meisterwerken

Mehrere Jahre ruhte die Zusammenarbeit, nun kehrt Semyon Bychkov – von 1998 bis 2003 Chefdirigent der Sächsischen Staatsoper Dresden – zur Sächsischen Staatskapelle zurück, um dankenswerterweise die Konzerte des erkrankten Myung-Whun Chung zu übernehmen. Wir wünschen unserem ersten Gastdirigenten gute Genesung und hoffen, ihn bald wieder an unserem Pult begrüßen zu dürfen!

Semyon Bychkov bringt mit Luciano Berios »Sinfonia« ein gewichtiges Werk des 20. Jahrhunderts nach Dresden: Mit acht Stimmen und einem umfangreichen Orchesterapparat setzt er sich von Bach über Richard Strauss bis hin zu Mahlers 2. Symphonie mit dem Material der Musikgeschichte auseinander. Der Titel weist im etymologischen Sinn auf den Zusammenklang von Stimme und Instrumenten hin, wobei laut Berio »Worte und ihre Phoneme einer musikalischen Analyse unterworfen werden« – Textfragmente von Claude Lévi-Strauss oder Samuel Beckett, bis hin zu Tonbandaufnahmen und Solfège-Bruchstücken dienen hierbei als Material. Nach der Pause erklingt die 5. Symphonie des vorsehungsgläubigen Pjotr I. Tschaikowsky, der die Einleitung des Werks mit »Vollständiges Sich-Beugen vor dem Schicksal« überschrieb.

Voraussichtliche Konzertlänge inkl. Pause: 100 min.

Aufzeichnung durch MDR Kultur
Sendetermin: Dienstag, 17. April 2018 ab 20.05 Uhr auf MDR Kultur und MDR Klassik

Am 15.4.2018 kostenlose Kinderbetreuung.

 

  • 14.04.2018
    20:00 Uhr
    Semperoper
    Ticket-Preis:
    67.00 – 82.00 €
  • 15.04.2018
    11:00 Uhr
    Semperoper
  • 16.04.2018
    20:00 Uhr
    Semperoper
    Ticket-Preis:
    23.00 – 67.00 €

Semyon Bychkov

Semyon Bychkov wurde 2017 zum Musikdirektor und Chefdirigenten der Tschechischen Philharmonie ernannt und tritt diese Position zu Beginn der Saison 2018/19 an. Geboren 1952 in St. Petersburg, emigrierte Bychkov 1975 in die Vereinigten Staaten; seit Mitte der 80-er Jahre lebt er in Europa.

Über sein Dirigat mit der Tschechischen Philharmonie von Tschaikowskys Francesca da Rimini schrieb die Prager Tageszeitung Hospodářské noviny 2017: "Die Tschechische Philharmonie ist derzeit in ausgezeichneter Form und vertraut Semyon Bychkov. Er gibt dem Orchester den Raum, sein reichhaltiges musikalisches Potenzial voll zu entfalten. Das Ergebnis ist ein einzigartiges musikalisches Zusammenspiel."

Nach seinen ersten Konzerten mit der Tschechischen Philharmonie im Jahre 2013 konzipierten Bychkov und das Orchester das "Tschaikowsky-Projekt": Eine Serie von Konzerten, Orchesterresidenzen und Tonträgeraufnahmen im Studio, sowohl im Prager Rudolfinum als auch im Ausland. Das erste Ergebnis des Tschaikowsky-Projekts - eine Aufnahme der Sinfonie Nr. 6 in Verbindung mit der Fantasie-Ouvertüre "Romeo & Julia"- erschien im Oktober 2016 bei Decca, im August 2017 folgte die Veröffentlichung der Manfred Sinfonie. Das "Tschaikowsky-Projekt" findet 2019 seinen Höhepunkt mit Orchesterresidenzen in Wien und Paris und in der Veröffentlichung aller Sinfonien Tschaikowskys, der drei Klavierkonzerte, Romeo & Julia, Serenade für Streicher und Francesca da Rimini bei Decca.

Semyon Bychkov gewann im Alter von 20 Jahren den renommierten Rachmaninov Dirigentenwettbewerb. Zwei Jahre später, nachdem ihm der Preis für das Dirigat des Leningrader Philharmonieorchesters wieder aberkannt wurde, verließ er die ehemalige Sowjetunion, wo er bereits im Alter von fünf Jahren für ein Begabtenstipendium ausgewählt wurde. Zunächst studierte er Klavier, später wurde Bychkov an der Glinka Choir School aufgenommen, wo er seinen ersten Dirigierunterricht erhielt - im Alter von 13 Jahren. Mit 17 durfte er dann am Leningrader Konservatorium - als Schüler des legendären Ilya Musin studieren.

Als Bychkov 1989 als Erster Gastdirigent der St. Petersburger Philharmoniker nach Russland zurückkehrte, war er bereits in den USA als Music Director des Grand Rapids Symphony Orchestra und des Buffalo Philharmonic Orchestra erfolgreich. Seine internationale Karriere, die in Frankreich mit der Opéra de Lyon und beim Festival von Aix-en-Provence ihren Anfang nahm, fand ihre Fortsetzung mit Dirigaten des New York Philharmonic Orchestra, der Berliner Philharmoniker und des Royal Concertgebouw Orchestra. 1989 wurde er zum Musikdirektor des Orchestre de Paris ernannt, 1997 zum Chefdirigenten des WDR-Sinfonieorchesters Köln und im folgenden Jahr zum Chefdirigenten der Semperoper Dresden.

Bychkovs Repertoire ist breit gefächert, sowohl im Konzertrepertoire wie auch im Bereich der Oper. Er dirigiert an allen großen Opernhäusern, darunter La Scala, Opéra national de Paris, Semperoper Dresden, Wiener Staatsoper, New Yorker Metropolitan Opera, Royal Opera House Covent Garden und Teatro Real Madrid. Während seiner Zeit als er erster Gastdirigent des Festivals Maggio Musicale Fiorentino, wurden seine Produktionen von Janacek's Jenůfa, Schuberts Fierrabras, Puccinis La bohème, Schostakowitschs Lady Macbeth von Mtsensk und Mussorgskys Boris Godunow mit der prestigeträchtigen Auszeichnung Premio Abbiati gewürdigt.

2018

wird er Wagners Parsifal an der Wiener Staatsoper und in Bayreuth dirigieren. Weitere Neuproduktionen in Wien sind Strauss' Der Rosenkavalier und Daphne, Wagners Lohengrin und Mussorgskys Chowanschtschina; in London debütierte er mit einer Neuinszenierung von Strauss' Elektra und dirigierte anschließend Neuproduktionen von Mozarts Così fan tutte, Strauss' Die Frau ohne Schatten und Wagners Tannhäuser.

Im Konzertbereich wird Bychkov für seine besondere Musikalität – geprägt von der strengen russischen Schule geschätzt. Dies führt zu regelmäßigen Auftritten mit dem London Symphony Orchestra und gipfelt in der Überreichung diverser Ehrentitel an der Royal Academy of Music und durch das BBC Symphony Orchestra, mit dem er jährlich bei den BBC Proms auftritt.

In Europa gastiert er regelmäßig mit dem Royal Concertgebouw Orchestra, den Wiener Philharmonikern und den Münchner Philharmonikern sowie jährlich mit den Berliner Philharmonikern, dem Gewandhaus Orchester Leipzig, dem Orchestre National de France und der Accademia Nazionale di Santa Cecilia; In den USA ist er mit dem New York Philharmonic, Chicago Symphony, Los Angeles Symphony sowie dem Philadelphia und Cleveland Orchestra zu hören.

2018/19 liegt der Fokus auf der Arbeit mit der Tschechischen Philharmonie: darunter Konzerte und Tonträger-Aufnahmen in Prag, sowie die Eröffnung der Spielzeit im Oktober; die Feierlichkeiten zum 100 Jahr-Jubiläum der Tschechischen Unabhängigkeit in London, einer großen USA Tournee, einer Orchesterresidenz im Wiener Musikverein und einer ausgiebigen Belgien und Deutschlandtournee.

Neben dem klassischen Standardrepertoire arbeitete Bychkov eng mit den Komponisten Luciano Berio, Henri Dutilleux und Maurizio Kagel zusammen; jüngst mit René Staar, Thomas Larcher, Richard Dubignon, Detlev Glanert und Julian Anderson und dirigierte Uraufführungen ihrer Werke mit den Wiener Philharmonikern, dem New York Philharmonic Orchestra, dem Royal Concertgebouw und dem BBC Symphony Orchestra.

Bychkovs "Tonträger-Karriere" begann 1986, mit einem Vertrag bei Philips, der zu einer umfangreichen Diskographie mit den Berliner Philharmonikern, dem Sinfonieorchester des Bayerischen Rundfunks, dem Royal Concertgebouw, dem Philharmonia Orchestra, dem London Philharmonic und dem Orchestre de Paris führte. Danach entstand eine Reihe von Referenz-Aufnahmen - das Ergebnis seiner 13-jährigen Zusammenarbeit (1997-2010) mit dem WDR Sinfonieorchester Köln: ein Zyklus aller Brahms-Sinfonien und vieler wichtiger Werke von Richard Strauss (Elektra, Daphne, Ein Heldenleben, Metamorphosen, Alpensinfonie, Till Eulenspiegel), Mahler (Symphonie Nr. 3, Das Lied von der Erde), Schostakowitsch (Symphonie Nr. 4, 7, 8, 10, 11), Rachmaninow (Die Glocken, Symphonische Tänze, Symphonie Nr. 2), Verdi (Requiem) sowie von Detlev Glanert und York Höller. Seine Aufnahme von Wagners Lohengrin wurde 2010 zur “Disc of the Year“ des BBC Music Magazine gewählt; seine Einspielung von César Francks Symphonie in d-Moll wurde von BBC Radio 3 zur Referenzaufnahme auserkoren; seine jüngste Einspielung von Schmidts Symphonie Nr. 2 mit den Wiener Philharmonikern wurde zur Aufnahme des Monats des BBC Music Magazine gewählt.

Semyon Bychkov wurde 2015 von der Jury des International Opera Awards zum Dirigenten des Jahres gewählt.

London Voices

Das britische, aus London stammende Chorensemble London Voices hat bisher an über zweihundert Plattenaufnahmen teilgenommen. Sein breites Repertoire reicht dabei von eher populären Alben mit Nigel Kennedy, Bryn Terfel und Luciano Pavarotti bis hin zu Aufnahmen mit Werken der Neuen Musik und Avantgarde; hier sind es insbesondere Komponisten wie John Adams, György Ligeti und Luciano Berio, die von London Voices interpretiert wurden.

London Voices hat auch in zahlreichen Soundtracks von Filmen mitgewirkt, so in sämtlichen »Harry Potter«- und »Star Wars«-Folgen. Das Ensemble wurde gegründet von Terry Edwards, einem der erfahrensten und angesehensten Chorleiter und Chordirigenten Europas. Er dirigierte London Voices z. B. in allen der vielen Chorsektionen der »Herr der Ringe«-Trilogie. Terry Edwards und London Voices arbeiten mit vielen wichtigen Orchesterleitern und Dirigenten zusammen, u.a. mit Christoph von Dohnanyi, Bernard Haitink, Sir Simon Rattle und Peter Eötvös.

London Voices werden geleitet von Terry Edwards (ehemaliger Chordirektor der Royal Opera) und Ben Parry (Komponist und künstlerischer Leiter des National Youth Choirs

Großbritanniens). Die Anzahl der Mitglieder ist nicht festgelegt, die Choristen werden für jedes einzelne Engagement und Projekt ausgewählt. So sind für John Adams‘ »Grand Pianola Music« drei Stimmen gefordert, bei Steve Reichs »Tehillim« vier, bei Karlheinz Stockhausens »Stimmung« sechs, bei Igor Strawinskys »Rake’s Progress« vierzig, bei György Ligetis Requiem 120 und bei »La damnation de Faust« von Hector Berlioz 150 Stimmen. Es ist zudem nicht unüblich, dass zwei Gruppen des Ensembles gleichzeitig in verschiedenen Städten oder Ländern auftreten.

Zu den jüngsten herausragenden Projekten zählen u.a. Beethovens »Fidelio« in der Londoner Royal Festival Hall unter der Leitung von Vladimir Jurowski im Januar 2017 mit dem London Philharmonic Orchestra sowie Luciano Berios »Sinfonia« mit dem Orchestre de Paris unter der Stabführung von Daniel Harding im November 2017. Die London Voices werden Berios »Sinfonia« zudem in Kürze am 21. und 22. April 2018 mit den Münchner Philharmonikern unter Leitung von Semyon Bychkov zur Aufführung bringen.