Paris, Tag 1

19.05.2017

Im Pariser Théâtre des Champs-Élysées setzten Christian Thielemann und die Sächsische Staatskapelle am Abend des 19. Mai ihre Europa-Tournee fort. Anders als der Name es vermuten lässt, liegt das Theater nicht an den berühmten Champs-Élysées, sondern in der Avenue Montaigne in unmittelbarer Nähe zur Seine. Sein Entstehen verdankt das Theater dem Gründer der Betriebsgesellschaft des Eiffel-Turms, Gabriel Thomas, sowie dem Zeitungsherausgeber Gabriel Austruc. Mit dem Théâtre des Champs-Élysée sollte ein Ort für die Aufführung zeitgenössischer Musik geschaffen werden. Mit zahlreichen, teils skandalumwitterten Uraufführungen wurde dieses Vorhaben konsequent umgesetzt. Die Premiere von Igor Strawinskys »Le Sacre du Printemps« im Mai 1913 endete im Tumult und gilt bis heute als einer der größten Theaterskandale überhaupt. Dem Saal haben diese Skandale aber nicht geschadet, ganz im Gegenteil, das Théâtre des Champs-Élysée zählt auch heute noch zu den wichtigsten Konzerthäusern von Paris und verfügt über drei Säle, die übereinander liegen: das Grand Théâtre mit 2.000 Sitzen, darüber La Comédie mit 655 Sitzen und Le Studio (257 Sitze), das 1923 eröffnet wurde.

Im Vergleich zum Auditorio Nacional in Madrid ist die Akustik ein wenig trockener, aufgrund seiner Kompaktheit und kleineren Bühne lässt es sich hier für die Staatskapelle aber leichter musizieren, da man näher beieinander sitzt und infolgedessen auch entfernter sitzende Kollegen noch sehr gut hören kann. Das zumindest gibt im Anschluss an das erste Konzert mit dem Strauss-Programm Matthias Wollong, der 1. Konzertmeister der Staatskapelle, zu Protokoll, der vom Publikum für sein bewegendes Solo im dritten der »Vier letzten Lieder« lautstark gefeiert wurde.