Macau: 27.–28. Oktober

31.10.2018

Von Guangzhou ging es mit dem Bus ins südlich gelegene Macau – zum ersten Mal gastiert die Staatskapelle in der chinesischen Sonderverwaltungszone. Sonderverwaltung bedeutet in dem Fall, dass an der Grenze einmal ausgestiegen und das Gepäck durch die Kontrollen manövriert wird, um aus China auszureisen, dann wird eingestiegen und wenige hundert Meter das Prozedere für die Einreise nach Macau wiederholt. Ein Tipp für alle Macau-Interessierten ist, chinesische Yuan direkt an der Grenze in Macau-Pataca zu wechseln, weil es danach schwierig werden könnte. 

Eine kilometerlange Brücke verbindet Taipa, die Insel, auf der der Flughafen liegt, mit Macau City. Der Flughafen an sich ist dadurch bekannt, dass für den Bau Start- und Landebahn eine 3500 Meter lange künstliche Insel geschaffen wurde. Das Hotel bietet einen wunderbaren Blick auf die Bucht. Die Stadt ist sehr belebt. Die typisch chinesischen Hochhäuser, die mit der Hilfe von Bambusgerüsten hochgezogen werden, sehen durch die käfigartigen vollvergitterten Balkonkonstruktionen auf den ersten Blick ein wenig befremdlich aus. Die meisten Menschen nutzen sie, um Wäsche aufzuhängen oder Kisten zu lagern. Dekorationen findet man eher selten.

Bekannt ist Macau natürlich als Paradies für Spieler. Die Casinos überbieten sich gegenseitig in ihrer eindrucksvollen Bauweise, ihrer Höhe, dem Gold, den blinkenden Lichtern. Wer sich für die originale chinesische Küche interessiert, ist in Macau richtig. Restaurants preisen mit großformatigen Fotos frittierte Hühnerfüße, Tauben inklusive Kopf und entpanzerte Schildkröten in milchigen Suppen an. Richtung Innenstadt gibt es eine Ladenmeile, die hauptsächlich Tee, getrocknete Haifischflossen und Meerestiere im Sortiment hat. Eines der Wahrzeichen Macaus sind die Ruinen der Pauluskirche (Sao Paulo), die nur aus der Fassade bestehen. Die Errichtung der Kirche geht darauf zurück, dass gegen Ende des 16. Jahrhunderts von Portugal entsandte Jesuiten in Macau eine Universität gründeten, die Missionare für China und Japan ausbildete. Die Kirche wurde auf dem Gelände der Universität von Einheimischen erbaut und brannte 1835 fast vollständig nieder. Noch heute ist Macau zweisprachig (Chinesisch/Portugiesisch) und man trifft überall auf Schilder wie »Dentista Fu Long« oder »Edificio Chun Yuet«. 

Die Konzerte finden im Centro Cultural statt, das – wie in Asien vielerorts üblich – viele verschiedene Kultureinrichtungen unter einem Dach vereint. Das Gastkonzert der Staatskapelle ist Bestandteil des jährlichen Musikfestivals im September und Oktober. Der Saal hat mit 1200 Plätzen in etwa die gleiche Kapazität wie die Semperoper. Die Programmhefte liegen beim Einlass auf jedem Sitz. Wie bei den letzten Konzerten ist auch hier die Stimmung ganz eigen: die meisten Besucher sind sehr konzentriert, und der Applaus ist überwältigend und von einzelnen Jubelrufen durchsetzt. Wann immer Christian Thielemann auf das Podium tritt, gibt es kaum noch ein Halten.