Tokio: 31. Oktober und 1. November

02.11.2018

Und: Abflug! Das Rollen über die Startbahn des Macauer Flughafens auf einer schmalen aufgeschütteten Insel und der Flug über Hongkong sowie der Anflug auf Tokio mit Blick auf den Fuji gehören zu den Bildern, die von dieser Reise lang in Erinnerung bleiben werden.

Von Tokio-Narita brachte ein Bus die Staatskapelle zum Hotel in der Innenstadt. Die meisten Musiker sind mit der Stadt und dem Konzertsaal sehr vertraut: Seit 1973 gastiert die Staatskapelle in Japan, seit 1989 in der 1986 erbauten Suntory Hall. 2016 kam zu bereits 24 Konzerten eine knapp einwöchige Residenz anlässlich der Jubiläumsfeierlichkeiten hinzu. »Sehr schön, dass wir wieder dort sind«, hieß es, »wir wissen schon genau, wo alles ist und wie der Saal sich anhört. Die Akustik ist einmalig. Und Tokio ist einfach eine tolle Stadt.« 

Tokio hat unendlich viel zu bieten: Metropole und Zen, Parks und Tempel und auf der anderen Seite Popkultur und High Tech ohne Ende. Die perfekte Organisation des riesigen U-Bahn-Netzes und die enorme Rücksichtnahme der Bewohner aufeinander beeindrucken sehr. In den U-Bahn-Stationen weisen überall Aushänge darauf hin, wie man sich zu verhalten hat.

Vom Mori Tower aus, der aktuell eine Sonderausstellung über »Catastrophes and the Power of Art« im 53. Stock zeigt, kann man die Stadt bis zum Fuji überblicken. Häuser, so weit das Auge reicht, und zwischendrin ein paar Sportplätze und Grünanlagen. 

Im Gegensatz zu den anderen Gebäuden, in denen die Staatskapelle in Asien konzertierte, ist die Suntory Hall von außen eher unscheinbar. Sie liegt am Herbert-von-Karajan-Platz, wie ein Schild in Anlehnung an Wiener Straßenschilder informiert – Herbert von Karajan unterstützte den Bau des Saals in beratender Funktion. Zwei Stunden vor dem Konzert trinken die Musiker backstage Instantkaffee und auf der Bühne werden letzte Vorkehrungen vom Filmteam getroffen, das beide Abende für einen zeitversetzten Stream und eine DVD-Veröffentlichung aufnimmt. Das Publikum, davon einige Besucher mit Mundschutz, klatscht beim Auftreten der Staatskapelle und hört, als Christian Thielemann sich den Musikern zuwendet, so abrupt auf, als wäre es einstudiert. Die Akustik des Saals gilt als eine der besten der Welt. Und tatsächlich: Man fühlt sich von dem Orchesterklang vollkommen eingehüllt und erlebt ihn in einer einzigartigen Unmittelbarkeit. Der Applaus im Saal mit 2000 Plätzen prasselt nach dem Konzert regelrecht auf die Bühne ein. Die beiden Aufführungen der auch in Japan nicht besonders bekannten Symphonien Robert Schumanns waren auch hier ein ungeahnter triumphaler Erfolg und rundeten die Tournee ideal ab.