Wien, Tag 1

30.01.2019

Nach der Ankunft im Hotel schwärmte jeder zur Gastwirtschaft seines Vertrauens aus, um sich mit Tafelspitz, Schnitzel oder Kaiserschmarren für das Konzert zu stärken. Für die Staatskapelle ist es immer eine große Freude, im Wiener Musikverein zu spielen: Nicht nur ist das Publikum verständig und dankbar – besonders die Akustik ist für jeden Musiker ein Genuss, weil sich der Klang entfalten kann und ein transparentes Musizieren, bei dem sich jeder gegenseitig auf der Bühne hören kann, möglich ist. Die Anspielprobe – durch Willkommensworte des Musikvereins-Intendanten Dr. Thomas Angyan eröffnet – gilt dem Einschwingen auf die Akustik, die sich jedoch mit Publikum nochmal stark ändern wird. Und auch das ist Wien: Nach dem bravourösen Mendelssohn-Violinkonzert mit Frank Peter Zimmermann und einer feinsinnigen Bartók-Zugabe („Melodia“ aus der Solosonate Sz 117) hört man in der Pause auf den Gängen erstauntes Gemurmel über die Fassung der nachfolgenden zweiten Symphonie von Bruckner: Es wird nicht die Edition der 1877er-Fassung von Haas oder Nowak erklingen, sondern die neueste von William Carragan. Dem großen Schlussapplaus stand auch diese Ausgabe letztlich nicht im Weg!