30.06.2011

Der unbekannte Weber

Staatskapelle Dresden ermöglicht im 12. Symphoniekonzert die Begegnung mit zwei Raritäten von Carl Maria von Weber

Anlässlich des 225. Geburtstags von Carl Maria von Weber beleuchtet die Sächsische Staatskapelle Dresden zum Saisonabschluss ihren ehemaligen Hofkapellmeister mit der Aufführung von zwei unbekannten Werken: Webers Kantate »Der erste Ton« und seine Festa teatrale »L’Accoglienza«, die seit ihrem Uraufführungsjahr nicht mehr aufgeführt wurde. Diesen beiden Werken gegenübergestellt wird die zweite Symphonie in D-Dur op. 36 des Weber-Zeitgenossen Ludwig van Beethoven.

Webers »Der erste Ton« ist ein frühes Werk aus der Vor-Dresdner Zeit und entzieht sich eigentlich einer Gattungszuordnung (die Bezeichnung als »Kantate« im Werkverzeichnis trifft das Werk nur unzureichend): Eine musikbegleitete Deklamation für einen Sprecher wird umrahmt von einer Ouvertüre und einem Schlusschor. Der Deklamation ist ein Text des Leipziger Musikschriftstellers Friedrich Rochlitz unterlegt, der das Thema »Schöpfungsgeschichte« auf die Musik überträgt. Weber hat das Werk später während seiner Dresdner Kapellmeisterzeit mehrfach aufgeführt – er hat es also offenbar sehr geschätzt.

Die Festa teatrale »L’Accoglienza« entstand als Kompositionsauftrag des Dresdner Hofs anlässlich der Vermählung einer Nichte des Königs und des Erbprinzen von Toscana im Jahr 1817. Am Abend nach der standesamtlichen Trauung fand als musikalisches Hauptereignis die Aufführung der Festa teatrale »L’Accoglienza« (Der Empfang) statt. Die »Accoglienza«, eine symbolische Handlung vom »Empfang« der sächsischen Braut in Florenz und die Würdigung des echten und des Elb-Florenz im Blick auf künftige vielseitige Verbindungen, war eine optisch aufwendige Inszenierung mit viel Maschinenzauber und errang bei ihrer Uraufführung großen Beifall. Weitere Vorstellungen folgten nicht, da die Braut schon am Tag darauf abreiste. Da aber zu jener Zeit das Leipziger Stadttheater als eine Art zweites Haus des Dresdner Hoftheaters fungierte, holte man sich das Dresdner Aufführungsmaterial nach Leipzig und ließ dort vor Jahresende ebenfalls eine Vorstellung folgen. Das gesamte Material scheint dann dort verloren gegangen zu sein, es kehrte nicht nach Dresden zurück, und das Werk wurde vergessen. Jedoch nicht von Weber selbst, der die Fülle seiner musikalischen Ideen und Einfälle später noch nachnutzte, am ausgiebigsten in seinem letzten Werk, dem 1826 in London uraufgeführten »Oberon«. Wer den »Oberon« kennt, wird aus der »L’Accoglienza« bekannte Themen und Melodien heraushören können.

Anhand der überlieferten Autographe haben nun Mitarbeiter der Weber-Gesamtausgabe Partituren, Klavierauszüge und Stimmen für die »L’Accoglienza« wie auch für den »Ersten Ton« neu erstellt, die bei den bevorstehenden Wiederaufführungen in der Semperoper erstmals verwendet werden.

Mit René Pape (Bass und Sprecher), Christiane Karg (Sopran), Anke Vondung (Mezzosopran) sowie Michael Schade (Tenor) konnte ein herausragendes Solistenensemble verpflichtet werden. Die Chorpartien der beiden Weber-Werke wird der MDR Rundfunkchor Leipzig übernehmen, einer der führenden Chöre Deutschlands. Am Pult der Staatskapelle gibt es ein Wiedersehen mit Manfred Honeck, dessen erste Begegnung mit dem Orchester in das Jahr 1995 zurückreicht und dessen steile Karriere nach Stationen in Zürich, Oslo, Leipzig, Göteborg und Stuttgart mit Beginn der Spielzeit 2008/2009 einen vorläufigen Höhepunkt erreichte, als er in der Nachfolge von Lorin Maazel und Mariss Jansons die Position des Music Director beim Pittsburgh Symphony Orchestra übernahm.

Restkarten an der Tages- bzw. Abendkasse.

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