

Im Juli 1960 weilte der sowjetische Komponist Dmitri Schostakowitsch, eine der Leitfiguren der Musik des 20. Jahrhunderts, für einige Tage in Gohrisch, dem ältesten Luftkurort der Sächsischen Schweiz, vierzig Kilometer südöstlich von Dresden gelegen. Im dortigen Gästehaus des Ministerrates der DDR komponierte er eines seiner kammermusikalischen Hauptwerke, das sein existentielles Leiden unter dem Sowjetregime in erschütternder Weise zum Ausdruck bringt: das Streichquartett Nr. 8 c-Moll op. 110. Es ist nachweislich das einzige Werk, das Schostakowitsch außerhalb der Sowjetunion komponierte. 1972 war er ein zweites Mal in Gohrisch zu Gast.
Um Schostakowitschs Aufenthalte in Gohrisch ins heutige Bewusstsein zu bringen und angemessen zu würdigen, wurde im Juni 2009 ein Verein gegründet (»Schostakowitsch in Gohrisch e.V.«), der sich diesem Anliegen unter dem Vorsitz des Gohrischer Bürgermeisters, Tom Vollmann, seither mit großem Engagement widmet. Mit den Internationalen Schostakowitsch Tagen Gohrisch richtete der Verein im September 2010 – genau 50 Jahre nach Schostakowitschs erstem Besuch in dem Luftkurort – erstmals ein dreitägiges Festival aus, das die Musik Schostakowitschs in Gohrisch zum Klingen brachte. Das Festival soll nun alljährlich stattfinden und wird damit das einzige regelmäßige Schostakowitsch-Festival in der internationalen Festivallandschaft sein.
Eine Initiative der Sächsischen Staatskapelle Dresden
Drei Tage – drei Konzerte: Der Festivalzeitraum orientiert sich an jener Zeitspanne, in der Schostakowitsch sein achtes Streichquartett in Gohrisch komponierte (12. bis 14. Juli 1960). Neben den Konzerten, in deren Zentrum Aufführungen des Streichquartetts und der Kammersymphonie op. 110a – der berühmten Bearbeitung des Quartetts für Kammerorchester durch Rudolf Barschai – stehen, wird das Programm ergänzt durch Gesprächs-Veranstaltungen mit Künstlern und Zeitzeugen sowie Vorträgen und Führungen. Durch die Verleihung eines »Internationalen Schostakowitsch Preises Gohrisch« sollen außerdem Persönlichkeiten gewürdigt werden, die sich in besonderer Weise um das Schaffen Schostakowitschs verdient gemacht haben.
Die hohe künstlerische Qualität des Festivals wird garantiert durch die Sächsische Staatskapelle Dresden, die das Festival mitinitiiert hat und – in Kooperation mit der »Kammermusik« des Orchesters – künstlerisch ausrichtet. Als Schirmherren konnten der Ministerpräsident des Freistaates Sachsen, Stanislaw Tillich, sowie der ehemalige Chefdirigent der Staatskapelle und enge Schostakowitsch-Freund Kurt Sanderling gewonnen werden.
Weitere Informationen unter www.schostakowitsch-tage.de