Paris, Tag 2

20.05.2017

Vor gut drei Wochen erreichte uns ein Brief eines Abonnenten aus dem Umland von Dresden, der sich über die Programmzustellung des 10. Symphoniekonzerts beklagte. Mit diesem Repertoire würde die Staatskapelle demnächst vor leeren Sälen spielen, prognostizierte der langjährige Abonnent – stellvertretend für viele andere, die seine Meinung teilten. Umso interessanter zu beobachten, wie die Staatskapelle mit eben jenem Programm beim Publikum in Madrid und Paris ankommt. Denn im Vergleich zu subventionierten Abonnementkonzerten in der Dresdner Semperoper müssen sich Tourneekonzerte in der Regel ohne staatlichen Zuschüsse refinanzieren, mit der Folge, dass die Ticketpreise mancherorts drei bis vier Mal so teuer wie in Dresden sind. Entsprechend groß ist der Druck auf Seiten der Veranstalter, die Konzertkarten an den Mann zu bringen.

Mit Freude kann man nach den Konzerten in Madrid und Paris feststellen, dass sich die Staatskapelle und Christian Thielemann auch mit Werken jenseits ihres vermeintlichen Kernrepertoires größter Wertschätzung erfreuen. Ob das Hauptwerk nun die »Alpensinfonie« von Richard Strauss oder »Pelleas und Melisande« von Arnold Schönberg war, beim Zuspruch von Seiten des Publikums war kein Unterschied zu erkennen.

Natürlich ist die frühe Tondichtung von Arnold Schönberg ein Werk, das in seiner gesamten Ausdruckswelt der Spätromantik entspringt, häufig im Konzert zu erleben ist es aber nicht. Und so nimmt man die Neugierde des Publikums auch für weniger bekanntes Repertoire dankbar und erfreut zur Kenntnis. Und mit Rückblick auf Dresden sei an dieser Stelle gesagt, dass sich auch in Dresden nicht wirklich viele von diesem Programm haben abschrecken lassen, auch hier waren die Konzerte ausverkauft.