8. Symphoniekonzert

Herbert Blomstedt Dirigent
Christina Landshamer Sopran
Simona Šaturová Sopran
Tilman Lichdi Tenor
Sächsischer Staatsopernchor Dresden
André Kellinghaus Einstudierung

Franz Schubert

  • Symphonie Nr. 2 B-Dur D 125

Felix Mendelssohn Bartholdy

  • »Lobgesang« Symphonie-Kantate für Soli, Chor, Orchester und Orgel op. 52

»Die Nacht ist vergangen!«

Mit großem Aufwand beging Sachsen im Jahr 1840 den 400. Jahrestag der Erfindung des Buchdrucks. Den Abschluss der Feiern bildete die Aufführung von Mendelssohns »Lobgesang« in der Leipziger Thomaskirche. Bei der Drucklegung widmete der Komponist die Symphonie-Kantate dem sächsischen König Friedrich August II. Der Monarch bedankte sich im Gegenzug mit der Verleihung des Ehrentitels »Königlich Sächsischer Kapellmeister«. Der Plan, den berühmten Dirigenten auch offiziell an die Residenz zu binden, zerschlug sich zwar, dennoch war Mendelssohn nun häufig in Dresden zu erleben. Auch am Palmsonntag 1843 leitete er die Königliche musikalische Kapelle, auf dem Programm stand damals sein Oratorium »Paulus«.

Konzerteinführung jeweils 45 Minuten vor Beginn im Opernkeller der Semperoper.

  • Sonntag
    24.03.2024
    19:00 Uhr
    Semperoper
    Ausverkauft
  • Montag
    25.03.2024
    19:00 Uhr
    Semperoper
    Ausverkauft

Herbert Blomstedt

Ehrendirigent

Seit nunmehr einem halben Jahrhundert währt das enge freundschaftliche Verhältnis zwischen Herbert Blomstedt und der Staatskapelle Dresden. Nach seinem hiesigen Einstand im April 1969 prägte er von 1975 bis 1985 als Chefdirigent das Orchester: ein Jahrzehnt, das nicht nur künstlerisch unvergessen ist, sondern auch, unter schwierigen politischen Vorzeichen, aus menschlicher Sicht ein besonderes Kapitel in der langen Kapellgeschichte markiert. Über die Dresdner »Hausgötter« Wagner und Strauss hinaus dirigierte Herbert Blomstedt in seiner Amtszeit ein Repertoire, das das barocke Kapell-Erbe sowie zahlreiche Ur- und Erstaufführungen einschloss. 1985 fand unter seiner Leitung das erste Konzert der Kapelle in der wiederaufgebauten Semperoper statt, unzählige Werke spielte er mit dem Orchester auf Schallplatte ein. Weit über 300 Konzerte hat Herbert Blomstedt bis heute mit der Kapelle gegeben, allein zehn Mal trat er im traditionsreichen Palmsonntagskonzert ans Pult, dazu leitete er eine Reihe von Opernproduktionen, damals noch im Großen Haus der Staatstheater (Schauspielhaus). 2007 würdigte ihn die Staatskapelle mit der Goldenen Ehrennadel. Im Mai 2016 ernannte das Orchester Herbert Blomstedt zu seinem Ehrendirigenten. Er ist – nach Sir Colin Davis – erst der zweite

Dirigent, dem dieser Titel verliehen wurde.

Geboren in den USA als Sohn schwedischer Eltern, gab Herbert Blomstedt sein Pultdebüt 1954 beim Stockholmer Philharmonischen Orchester, später übernahm er Chefposten bei den Osloer Philharmonikern sowie dem Dänischen und dem Schwedischen Radio- Symphonieorchester in Kopenhagen und Stockholm. Blomstedt war Music Director der San Francisco Symphony, Chefdirigent des NDR Sinfonieorchesters in Hamburg und 19. Gewandhauskapellmeister in Leipzig. Zum Ehrendirigenten ernannten ihn die Orchester in San Francisco, Leipzig, Kopenhagen und Stockholm, die Bamberger Symphoniker und das NHK Symphony Orchestra in Tokio. Als Gastdirigent arbeitet Herbert Blomstedt mit den renommiertesten Orchestern zusammen. 2011 feierte er ein spätes Debüt bei den Wiener Philharmonikern, das umgehend zu einer regelmäßigen Zusammenarbeit führte. Er ist gewähltes Mitglied der Königlich-Schwedischen Musikakademie, mehrfacher Ehrendoktor und wurde 2003 mit dem Großen Verdienstkreuz des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland geehrt. Im April 2016 erhielt er für sein künstlerisches Lebenswerk Dänemarks renommierten Léonie-Sonning- Musikpreis.

Simona Šaturová

Die in Bratislava (Slowakei) geborene Sopranistin erhielt bereits im Alter von fünf Jahren Violinunterricht. Nach dem Abitur studierte sie dann am Konservatorium von Bratislava Gesang und besuchte verschiedene Meisterklassen, u. a. bei der rumänischen Sopranistin Ileana Cotrubas. Heute ist sie sowohl auf der Opernbühne als auch im Konzertfach international gefragt und arbeitet mit vielen renommierten Dirigenten und Orchestern zusammen.

Seit ihrem kurzfristigen Einspringen als Ilia (Idomeneo) am Théatre de la Monnaie in Brüssel 2010 kehrte sie regelmäßig an das Haus zurück, als Violetta Valéry (La traviata), Sandrina (La finta giardiniera), Servilia (Titus), Gilda (Rigoletto), Ismene (Mitridate), Lucia Cinna (Lucia Silla) und in der vergangenen Saison sowohl als Donna Anna (Don Giovanni) als auch als Contessa (Figaros Hochzeit). Auch dem Aalto-Theater in Essen wie auch der Semperoper in Dresden ist sie seit ihrem großen Erfolg als Konstanze (Die Entführung aus dem Serail)

sehr verbunden. Neben zahlreichen Auftritten am Nationaltheater Prag konnte man die Sopranistin u.a. auf den Bühnen des Teatro Colón Buenos Aires, des Théâtre du Châtelet Paris, der Opéra de Monte Carlo, der Oper Frankfurt, des Theater an der Wien und im Megaron in Athen erleben. Zu ihrem Repertoire gehören u. a. die Partien der Lucia (Lucia di Lammermoor), Adina (L’elisir d’amore), Elettra (Idomeneo), Giulietta (I Capuleti e i Montecchi), Donna Anna (Don Giovanni) oder Adele (Die Fledermaus).

Als Konzert- und Oratoriensängerin konnte sich Simona Šaturová ebenfalls international profilieren. So ist sie regelmäßig bei Orchestern wie den Bamberger Symphonikern, dem Boston Symphony Orchestra, dem Rundfunkorchester Berlin, dem Danish National Symphony Orchestra, dem NHK Symphony Orchestra, dem Mozarteumorchester Salzburg oder dem Pittsburgh Symphony Orchestra zu Gast.

Tilman Lichdi

Tilman Lichdi hat sich als bedeutender Konzert- und Liedinterpret etabliert, insbesondere als Evangelist in Bachs Oratorien und Passionen. Neben der Zusammenarbeit mit vielen namhaften Dirigenten arbeitet er besonders regelmäßig mit Ton Koopman und Herbert Blomstedt zusammen. Von den vielen Einspielungen mit Tilman Lichdi sind besonders hervorzuheben die beiden Einspielungen der Schubertliedzyklen: „Die schöne Müllerin“ und „die Winterreise“, beides in einer neuen Version mit Gitarre. Neben seinen internationalen Auftritten ist er im Moment als Professur Vertretung für Hauptfach Gesang an der Akademie für

Tonkunst in Darmstadt tätig.

Tilman Lichdi war von 2005 – 2013 als lyrischer Tenor am Staatstheater Nürnberg engagiert und hat dort alle wichtigen Partien seines Fachs gesungen. Er lebt bei Heilbronn und erhielt im Alter von 18 Jahren seinen ersten Gesangsunterricht bei Alois Treml (Staatstheater Stuttgart), studierte jedoch zunächst 4 Jahre Trompete bei Prof. Günther Beetz in Mannheim und wechselte 1999 zum Gesangstudium nach Würzburg zu Frau Prof. Charlotte Lehmann, das er mit Auszeichnung abschloss.

Sächsischer Staatsopernchor Dresden

Der Dresdner Opernchor wurde am 8. Oktober 1817 per königlichem Dekret durch Friedrich August I. gegründet. Die Erlassung dieses Dekrets war vor allem ein Verdienst Carl Maria von Webers, der als neu engagierter Hofkapell­meister 1817 den Auftrag erhalten hatte, neben der tradi­tionsreichen italienischen Oper auch eine deutsche Operngesellschaft in Dresden ins Leben zu rufen. Weber forderte die Einrichtung eines »ste­henden Theaterchors«, der den gestiegenen Anforderungen des dafür neu zu schaffenden Opernrepertoires gewachsen sein würde. In der Folge entwickelte sich der Sächsische Staatsopernchor dank hervorragender Persönlichkeiten, die ihn künstlerisch umsichtig und traditionsbewusst leiteten, zu einem erstklassigen und gefragten Klangkörper.

Über die Jahrhunderte hinweg entwickelten und pflegten u. a. Joseph Metzner, Wilhelm Fischer, Karl Maria Pembaur, Ernst Hintze, Gerhart Wüstner, Hans Peter Müller-Sybel, Hans-Dieter Pflüger und Matthias Brauer bis heute ein spezielles, dem Staatsopernchor zugehörendes Klangideal, das besonders auch durch die rege Konzerttätigkeit des Cho­res beeinflusst wurde. Homogenität des Klangs, klangliche Noblesse, kultivierter Pianogesang bei gleichzeitiger Klangdichte und -fülle sind wesentliche Attribute, die für den Sächsischen Staatsopernchor stehen.

Heute gilt der Staatsopernchor als einer der besten Opernchöre Euro­pas. Seine Auftritte in Opernvorstellungen, seine Mitwirkung in Konzer­ten, bei Rundfunk-, Fernseh- und CD-Produktionen, die kontinuierliche Präsenz bei Festspielen und auf Tourneen brachten ihm weltweit Beach­tung sowie höchste Wertschätzung ein.

Besonders prägend für den Staatsopernchor war die Arbeit mit dem Dirigenten Giuseppe Sinopoli, der das künstlerische Potential als bei wei­tem noch nicht ausgeschöpft betrachtete. In zahlreichen CD-Produktio­nen wuchs das Chorensemble immer wieder über sich hinaus. In den Jahren nach Sinopolis plötzlichem Tod gelang durch kontinuierliche Arbeit eine Konsolidierung der künstlerischen Qualität.

Wie in allen künstlerischen Sparten der Sächsischen Staatsoper Dres­den spielt auch im Staatsopernchor die enge Verknüpfung von Tradition, gegenwärtiger künstlerischer Verantwortung und Ausrichtung auf die Herausforderungen der Zukunft eine entscheidende Rolle.