Abschlusskonzert in Peking

01.05.2016

Im berühmten NCPA, dem National Centre for the Performing Arts, war die Staatskapelle erst im November des vergangenen Jahres zu Gast. Damals noch unter der Leitung von Myung-Whun Chung, mit Werken von Ludwig van Beethoven und Gustav Mahler. Nun also Mozart, vor einem erneut enthusiastischen Publikum, das wie schon in den Städten zuvor den Pianisten Rudolf Buchbinder nicht ohne eine Zugabe von der Bühne entließ. Doch damit noch nicht genug, nach den Konzerten stellte sich Rudolf Buchbinder seinen Fans zur Verfügung und signierte CDs, Schallplatten und auch alles Übrige, was ihm auf den Tisch gelegt wurde. In Peking stellten sich ca. 400 (!) geduldige Fans in die Schlange. Derlei Dimensionen kannte man bislang nur aus Japan.

Zwei Themen, die in China auch zum Alltag gehören, sind hier bislang noch nicht zur Sprache gekommen: Smog und Verkehr. Beide Phänomene spielten bei der aktuellen Tournee zum Glück nur eine untergeordnete Rolle. Das lag auch daran, dass die Luftbelastung im Frühjahr deutlich geringer ausfällt als in den Wintermonaten, zum anderen ist das Verkehrsaufkommen in den vermeintlichen Provinzstädten (noch) deutlich geringer als in den Metropolen Peking und Shanghai. Aber auch hier fielen die Staus deutlich kürzer aus als noch im vergangenen November.

Die Bilanz, die Jan Nast, der Orchesterdirektor der Staatskapelle, am Ende zog, war dementsprechend durchweg positiv: »Diese Tournee verfolgte zweierlei Zielvorgaben. In den Städten Suzhou, Jinan und Linyi haben wir nicht zuletzt musikalische Aufbauarbeit geleistet. Man sieht hier, dass das Publikum noch nicht so mit den Gepflogenheiten des klassischen Konzertbetriebs vertraut ist, eine gewisse Unruhe im Saal muss man da in Kauf nehmen. Andererseits waren die Herzlichkeit des Empfangs in diesen Städten und der begeisterte Applaus am Ende der Konzerte umso schöner. Es war deutlich zu spüren, dass wir die Herzen der Menschen mit der Musik von Mozart erreicht haben. In Shanghai, Tianjin und Peking dagegen hat die Aufmerksamkeit von Seiten des Publikums bereits seit einigen Jahren internationales Niveau. Hier war für uns die spannende Frage, ob wir auch mit einem relativ kleinen Orchester die Erwartungen des Publikums erfüllen konnten, da wir bislang in China immer nur mit groß besetzter Symphonik unterwegs waren. Und auch diese Hoffnung wurde nicht enttäuscht, ganz im Gegenteil.«