Konzert in Jinan

27.04.2016

Mit dem Schnellzug wurde die Strecke von Suzhou nach Jinan am Mittwochvormittag in Angriff genommen. Chinesische Schnellzüge fahren überaus pünktlich und mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von etwa 250 km/h. Im Gegensatz zu Deutschland müssen die Passagieren vor der Fahrt eine Sicherheitsschleuse passieren, im Zug selber ist aber jedem Mitfahrer ein Sitzplatz garantiert. Nach etwas mehr als zweieinhalb Stunden Fahrt wurde das Ziel erreicht. Weiter zum Hotel ging es zu Fuß, es liegt gleich gegenüber vom Bahnhof.

Auch in Jinan war die Staatskapelle bislang noch nicht zu Gast. Sie leistet hier in gewisser Weise Aufbauarbeit. Für chinesische Verhältnisse ist die Millionenstadt Jinan Provinz. Der vor wenigen Jahren erbaute Konzertsaal muss noch mit Leben gefüllt werden. Nach den Bamberger Symphonikern ist die Staatskapelle erst das zweite Orchester von internationalem Format, das in diesem Saal konzertiert. Das ist bedauerlich, denn der Saal ist durchaus attraktiv, bietet, gerade was die logistischen Dingen hinter der Bühne anbelangt, perfekte Bedingungen und überzeugt auch akustisch.

Das Publikum ist aber ganz offensichtlich mit bestimmten Gewohnheiten bei klassischen Konzerten nicht ganz so vertraut, erst 20 Minuten nach Konzertbeginn haben alle Besucher ihre Plätze eingenommen, bis dahin geht es im Saal nicht gerade ruhig zu. Rudolf Buchbinder wie auch die Musiker der Staatskapelle lassen sich davon allerdings nicht beeinflussen, vielmehr verweisen sie darauf, dass beim ersten Konzert der Staatskapelle Ende der 90er Jahre in Peking das Publikum noch mit Popcorn-Tüten in die Säle gekommen sei. Davon kann heute in den Metropolen Peking und Shanghai keine Rede mehr sein, und vermutlich wird das in wenigen Jahren auch in der vermeintlichen Provinz so sein. Der herzliche und lang andauernde Beifall am Konzertende zeigt jedenfalls, dass sich die Menschen von der Musik haben erreichen lassen.