Im Dialog

Ausnahmecellist Gautier Capuçon im 10. Sinfoniekonzert


Foto: Oliver Killig

Der französische Klassik-Star Gautier Capuçon zählt zu den bekanntesten und erfolgreichsten Cellisten unserer Zeit. In der Konzertsaison 2025/26 ist er Capell-Virtuos der Sächsischen Staatskapelle Dresden und begeistert (nicht nur) das Dresdner Publikum mit seinem kraftvollen ausdrucksstarken Spiel. Im 10. Sinfoniekonzert wird er das letzte Mal in der Semperoper im Rahmen seiner Residenz spielen. 

 

Wenn Sie auf Ihre bisherige Zeit als Capell-Virtuos zurückblicken: Welche Begegnung oder welches Konzert kommt Ihnen als erstes in den Sinn?
Wenn ich daran zurückdenke, dann wird mir bewusst, wie wichtig jeder einzelne Schritt war. Jeder Moment brachte etwas Neues, jeder war auf seine Weise magisch. Und genau das ist das Besondere an der Musik: Bis heute lerne ich in jedem Konzert, ich experimentiere, entdecke immer wieder Neues – das ist es, was ich liebe.

Mit der Staatskapelle zu spielen bedeutet oft, in einen sehr intensiven musikalischen Dialog zu treten. Wann hatten Sie das Gefühl: Hier entstehen außergewöhnliche Momente?
Es gab viele solcher Momente, es ist schwer, einen einzelnen herauszugreifen, denn sie sind alle Teil eines größeren Ganzen. Ehrlich gesagt begann dieses Gefühl bereits mit der ersten Note. Es ist ein großes Privileg, mit der Staatskapelle und diesen außergewöhnlichen Musikerinnen und Musikern zu arbeiten. Diese Tradition, dieser Klang – das berührt.
Von Anfang an war das Zusammenspiel unglaublich inspirierend: Man wird getragen, bekommt neue Impulse, neue Ideen. Und je öfter man zusammenarbeitet, desto mehr entsteht Vertrauen, auch eine Art Freundschaft. Das ist essenziell und macht diese Zusammenarbeit so einzigartig.

Als Solist reisen Sie ständig um die Welt. Was unterscheidet eine Residenz für Sie von einzelnen Orchesterengagements?
Im Grunde hängt das mit genau dem zusammen, was ich gerade beschrieben habe: Kontinuität.
Als Gastsolist kommt man oft nur alle ein oder zwei Jahre zurück. Eine Residenz dagegen ermöglicht es, innerhalb einer Saison gemeinsam etwas aufzubauen.
Zwischen den Konzerten liegen nur wenige Monate – das schafft eine ganz eigene Dynamik. Und wenn dann noch eine Tour dazukommt, intensiviert sich das Ganze weiter: Man reist zusammen, spielt fast täglich, und die Verbindung zu den Musikerinnen und Musikern wird noch enger.

Wenn Sie einem jungen Cellisten erklären müssten, was man von der Staatskapelle lernen kann: Was würden Sie sagen?
Es ist schwierig, das in Worte zu fassen, weil jede musikalische Erfahrung sehr individuell ist. Aber etwas ist sofort spürbar: dieser Klang – und die Tradition, die dahintersteht.
Das Faszinierende ist, dass sich ein Orchester natürlich über die Jahre verändert, weil Musiker kommen und gehen. Und doch bleibt diese Tradition erhalten. Die erfahrenen Mitglieder geben sie weiter an die jüngeren, und so lebt dieser Klang über Generationen hinweg fort. Das ist unglaublich inspirierend.

Gibt es einen »Dresdner Moment«, der nichts mit Musik zu tun hat, Ihnen aber besonders in Erinnerung bleiben wird?
Ja, den gibt es, und er ist nicht einmal vier Monate her! Es war das Silvesterkonzert in der Semperoper, eine TV-Produktion für das ZDF. Ich war mit meiner ganzen Familie hier, die Atmosphäre war festlich, das Programm feierlich, und die Oper in warme Farben getaucht, und natürlich spielte die Musik für das Erleben des Moments eine zentrale Rolle.

Gibt es ein Werk, das Sie eines Tages mit der Staatskapelle Dresden spielen möchten?
Es gibt viele, eigentlich alle! Sehr gerne würde ich noch einmal »Don Quixote« von Richard Strauss spielen. Aber im Grunde ist jedes Werk mit diesem Orchester eine neue Entdeckung.
Ich bin sehr dankbar für die Residenz und die Zusammenarbeit mit so großartigen Musikerinnen und Musikern. Und ich freue mich sehr auf das letzte Projekt der Saison – das Cellokonzert Nr. 1 von Saint-Saëns unter der Leitung von Maestro Daniele Gatti.

Welches Werk würden Sie wählen, um jemandem den »Dresdner Klang« zu erklären?
Das ist eine sehr schwierige Frage. Denn der Klang eines Orchesters hängt natürlich auch stark vom Dirigenten ab.
Die Staatskapelle hat ihre eigene Identität – ihre Tradition, ihre DNA, ihren Klang, ihre Geschichte. Ein Dirigent verändert das nicht, sondern lenkt gewissermaßen den Fokus auf unterschiedliche Facetten dieses Klangs. Die Essenz bleibt, aber die Perspektive verändert sich.
Vielleicht würde ich, in Anknüpfung an unsere vorherige Frage, den Schluss aus »Don Quixote« wählen.

 

Interview: Julia Gläßer

 

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