Die Sächsische Staatskapelle Dresden und Christian Thielemann trauern um Hans Werner Henze

Die Musikerinnen und Musiker der Sächsischen Staatskapelle Dresden trauern um Hans Werner Henze. Die Nachricht vom Tod ihres Capell-Compositeurs erreichte das Orchester und seinen Chefdirigenten Christian Thielemann auf ihrer derzeitigen Asien-Tournee nach der Ankunft in Taipeh.
28.10.2012

Thielemann, der mit Henze seit vielen Jahren freundschaftlich verbunden war und ihn zum Capell-Compositeur seiner ersten Spielzeit in Dresden ernannte, zeigte sich „tief betroffen. Erst vor wenigen Tagen hatte ich Henze zuletzt getroffen, als er unsere Aufführung seines Orchesterwerkes 'Sebastian im Traum' in der Semperoper besuchte. Dabei haben wir uns noch einmal herzlich ausgetauscht. Wir konnten nicht ahnen, dass dies seine letzte Reise sein würde. Ich bin dankbar, dass ich ihn so lange kennen durfte – für mich ist er der bedeutendste deutsche Orchesterkomponist nach Richard Strauss.“

Hans Werner Henze hatte noch am 15. Oktober ein Symphoniekonzert in der Semperoper besucht und war dafür eigens aus seiner italienischen Heimat angereist. Am nächsten Tag erlitt er einen Schwächeanfall und wurde in ein Klinikum in Dresden eingeliefert. Dort ist er am 27. Oktober 2012 verstorben.

„Sein Tod in Dresden ist für uns eine große Verpflichtung, auch über die aktuelle Saison hinaus“, äußerte Matthias Wollong, der 1. Konzertmeister der Sächsischen Staatskapelle Dresden. „Seine Musik nahm in den Konzert- und Opernplänen der Staatskapelle schon seit Jahrzehnten einen besonderen Stellenwert ein, und es ist erstaunlich, in welch herausragender Weise er für ein Symphonieorchester schreiben konnte. Ich bin sehr glücklich und dankbar, dass ich ihn noch mehrfach erleben durfte.“

Henze hat seit den 1960er Jahren die Staatskapelle Dresden mehrfach auch selber dirigiert.

Als Capell-Compositeur ist Hans Werner Henze mit seinen Werken in dieser Spielzeit in besonderer Weise in den Symphonie- und Kammerkonzerten der Staatskapelle vertreten. Außerdem widmet die Semperoper dem Komponisten einen besonderen Schwerpunkt, der mit einer Neuproduktion der Oper „We come to the river“ zur Saisoneröffnung begann und derzeit mit Ballettaufführungen von „Das Vokaltuch der Kammersängerin Rosa Silber“ fortgesetzt wird. Für die Sächsische Staatskapelle und Christian Thielemann wollte Henze noch ein neues Orchesterwerk komponieren: „Isoldes Tod“ sollte bei den Osterfestspielen Salzburg 2013 uraufgeführt werden und anschließend auch in Dresden und in bedeutenden europäischen Musikmetropolen erklingen.

„Die Vorbereitung dieser Konzertsaison fand in engem Austausch mit Maestro Henze und seinem Management statt“, sagte Konzertdramaturg Tobias Niederschlag. „Ich glaube, er war sehr glücklich darüber, dass wir ihn in der Saison mit einem so umfangreichen und vielfältigen Schwerpunkt würdigen. Noch Anfang September haben wir uns über das neue Orchesterwerk ausgetauscht, das er für die Staatskapelle schreiben wollte. Er hatte sich schon intensiv mit der Thematik auseinandergesetzt und freute sich auf die erneute Zusammenarbeit mit Christian Thielemann.“

Am 24. November 2012 musiziert die Staatskapelle gemeinsam mit Musikern des Gustav Mahler Jugendorchesters in der Dresdner Frauenkirche Auszüge aus Henzes „Requiem. Neun geistliche Konzerte“. Bei der Planung konnte niemand ahnen, dass dieses Konzert unter der Leitung von Vladimir Jurowski nun zu seinem eigenen Requiem werden würde.

„Wir haben einen der ganz Großen verloren“, äußerte sich Jan Nast, der Orchesterdirektor der Staatskapelle, in Taipeh. „Wir werden ihm die restlichen Konzerte unserer Asien-Tournee im Gedenken widmen und sein Andenken auch darüber hinaus immer in Ehren halten. Hans Werner Henze ist schon jetzt ein wichtiger Teil unserer Kapellgeschichte.“