
17. Internationale Schostakowitsch Tage Gohrisch
25. – 28. Juni 2026
Kurort Gohrisch, Sächsische Schweiz
In Kooperation mit der Kammermusik der Sächsischen Staatskapelle Dresden
N ach dem Gedenkjahr 2025, in dem der 50. Todestag gewürdigt wurde, steht 2026 ein weiteres Schostakowitsch-Jubiläum an: Die Musikwelt feiert den 120. Geburtstag des Komponisten, der am 25. September 1906 in Sankt Petersburg das Licht der Welt erblickte. Auch im Kurort Gohrisch, wo Schostakowitsch 54 Jahre später sein Achtes Streichquartett komponierte, wird dieses Jubiläum begangen. Hier findet seit 2010 das international einzige alljährliche Festival zu seinen Ehren statt, und auch die nunmehr 17. Internationalen Schostakowitsch Tage Gohrisch dürften – erneut in enger Kooperation mit der Sächsischen Staatskapelle Dresden – ein musikbegeistertes Publikum aus aller Welt in die Sächsische Schweiz locken.
Vom 25. bis 28. Juni 2026 steht in der Gohrischer Konzertscheune der Jubilar im Mittelpunkt, eingeläutet wird das Festival am Vorabend wieder durch ein Sonderkonzert der Sächsischen Staatskapelle im Dresdner Kulturpalast, das diesmal von Philippe Jordan geleitet wird. An den Festivaltagen in Gohrisch wird – neben dem Namensgeber – auch das »Jahr der jüdischen Kultur in Sachsen« gewürdigt, dem sich 2026 landesweit viele Kulturinstitutionen widmen. Jüdische Kultur und Geschichte haben Schostakowitsch stark beeinflusst: »Ich glaube, wenn man von musikalischen Einflüssen spricht, so hat die jüdische Volksmusik mich am stärksten beeindruckt«, äußerte er in den 1979 erschienen Memoiren »Zeugenaussage«. Ausdruck fand dies in vielen seiner Werke ab den 1940er-Jahren, etwa im Vokalzyklus »Aus jiddischer Volkspoesie«, im vierten Streichquartett oder, schon früher, im zweiten Klaviertrio, das er später in seinem Achten Streichquartett zitierte.
An seiner Auseinandersetzung mit der jüdischen Kultur hatte der Komponist Mieczysław Weinberg entscheidenden Anteil, der während des Zweiten Weltkriegs aus Polen in die Sowjetunion geflohen war und dort zu einem der engsten Vertrauten Schostakowitschs wurde. Das Schaffen Weinbergs wird erst seit wenigen Jahren entdeckt – unterstützt von Künstlerinnen und Künstlern wie Gidon Kremer, Thomas Sanderling, Mirga Gražinytė-Tyla, Yulianna Avdeeva oder dem Quatuor Danel, von denen einige auch erneut in Gohrisch erwartet werden.
Für Schostakowitsch, der in seiner 13. Sinfonie den Antisemitismus in der Sowjetunion besonders deutlich anprangerte, war das Bekenntnis zur jüdischen Kultur eine moralische Frage: »Oft prüfe ich einen Menschen an seiner Einstellung zu den Juden. Heutzutage kann kein Mensch, der den Anspruch auf Anständigkeit erhebt, Antisemit sein.«
Informationen und Kartenbuchungen unter www.schostakowitsch-tage.de
Der Verein
Im Juli 1960 weilte der sowjetische Komponist Dmitri Schostakowitsch, eine der Leitfiguren der Musik des 20. Jahrhunderts, für einige Tage in Gohrisch, dem ältesten Luftkurort der Sächsischen Schweiz, vierzig Kilometer südöstlich von Dresden gelegen. Im dortigen Gästehaus des Ministerrates der DDR komponierte er eines seiner kammermusikalischen Hauptwerke, das sein existentielles Leiden unter dem Sowjetregime in erschütternder Weise zum Ausdruck bringt: das Streichquartett Nr. 8 c-Moll op. 110. Es ist nachweislich das einzige Werk, das Schostakowitsch außerhalb der Sowjetunion komponierte. 1972 war er ein zweites Mal in Gohrisch zu Gast.
Um Schostakowitschs Aufenthalte in Gohrisch ins heutige Bewusstsein zu bringen und angemessen zu würdigen, wurde im Juni 2009 ein Verein gegründet (»Schostakowitsch in Gohrisch e.V.«), der sich diesem Anliegen seither mit großem Engagement widmet. Mit den Internationalen Schostakowitsch Tagen Gohrisch richtete der Verein im September 2010 – genau 50 Jahre nach Schostakowitschs erstem Besuch in dem Luftkurort – erstmals ein dreitägiges Festival aus, das die Musik Schostakowitschs in Gohrisch zum Klingen brachte. Das Festival findet seitdem alljährlich statt und ist damit das einzige regelmäßige Schostakowitsch-Festival in der internationalen Festivallandschaft.
Eine Initiative der Sächsischen Staatskapelle Dresden
Der Festivalzeitraum orientiert sich an jener Zeitspanne, in der Schostakowitsch sein achtes Streichquartett in Gohrisch komponierte (12. bis 14. Juli 1960). Ab dem Jahr 2017 wird das Festival mit einem großen Sonderkonzert der Sächsischen Staatskapelle Dresden in der Semperoper eröffnet; an den drei Folgetagen erklingen Kammerkonzerte in der Gohrischer Konzertscheune. Ergänzt wird das Programm in jedem Jahr durch Gesprächsveranstaltungen mit Künstlern und Zeitzeugen sowie Vorträgen und Führungen. Durch die Verleihung des »Internationalen Schostakowitsch Preises Gohrisch« werden außerdem alljährlich Persönlichkeiten gewürdigt, die sich in besonderer Weise um das Schaffen Schostakowitschs verdient gemacht haben.
Die Sächsische Staatskapelle Dresden hat das Festival mitinitiiert und richtet es seit Anbeginn maßgeblich künstlerisch aus.
Weitere Informationen unter www.schostakowitsch-tage.de